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Charles Willeford – Die schwarze Messe

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Pulp 20

Charles Willeford (zum Autor…)
Die schwarze Messe

2005
978-3-927734-33-3, vergriffen

Leseprobe/eBook hier

 

 

 

Merita war eine Göttin der Liebe, ein Luder, heilig und profan zugleich. Eine exotische Königin von goldbrauner Farbe, verführerisch wie ein Espresso macchiato aus edelsten Arabica Bohnen. Doch wer war ihr weißer Begleiter, der mit ihr im Anderson Hotel in Harlem eincheckte? War es wirklich Reverend Deuteronomy Springer? Der Pfarrer aus Jacksonville, Florida, der eigenartige Messen zelebrierte, sich in der Bürgerrechtsbewegung engagierte und seine schwarze Gemeinde zum Busboykott aufgerufen hatte? Wie auch immer, an der Rezeption trug sich Meritas Begleiter als William Johnson ein, und das wiederum war wohl eher eine Erfindung des erfolglosen Schriftstellers Sam Springer aus Miami. Aber Merita war keine Erfindung. Ihr war egal, wer er war, sie wollte ihn wirklich …

Charles Willeford brilliante Pulp-Noir-Groteske erinnert an Klassiker wie Elmer Ganty oder Die Nacht des Jägers. Die unglaubliche Geschichte eines unglaublichen Predigers, erzählt von einem unverwechselbaren Giganten.

Abstieg zum Psychopathen: Sam Springer fühlt sich in seinem Job als Buchhalter unterfordert. Vage strebt er nach Höherem, weiß aber nur, daß er nicht dafür arbeiten will. Lieber läßt er seine Frau sitzen und wird kriminell. Er ist der Anti-Held in Charles Willefords neu aufgelegtem Roman-Noir-Klassiker „Die Schwarze Messe“ von 1958. „In der Army habe ich viele solche Typen getroffen“, hat Willeford (1919-1998), Panzerkommandant im Zweiten Weltkrieg, einmal gesagt. Durch einen bizarren Betrug avanciert seine Figur Sam Springer zum Pfarrer einer schwarzen Gemeinde in Florida. Doch die Hoffnung, sich den Rest seiner Tage von Schwarzen aushalten zu lassen, zerschlägt sich, als der von Martin Luther King organisierte Busboykott auf Jacksonville übergreift. Scheinbar mit den besten Absichten unterstützt Sam Springer die Bürgerrechtler. Heimlich aber plant er, seine Freunde zu verraten und aus dem Busboykott Kapital zu schlagen.Der schleichende Übergang vom Normalbürger zum mordbereiten Psychopathen ist die Konstante im Werk von Charles Willeford. Er ist ein Chronist der nachindustriellen Gesellschaft, in der das entwurzelte Individuum mehr und mehr bereit ist, für einen Fetzen vom amerikanischen Traum über Leichen zu gehen.
-Gunter Blank, Welt am Sonntag

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