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Rezensionen
""Kuhls Kosmos" in seiner Version von 2008 ist ein brutaler
Killerkosmos. Kuhl ist bewaffnet, und Kuhl schießt. Es ist dem Autor
etwas der Humor seines Erstlings verlorengegangen. Obwohl einige
Dialoge, wie das seitenlange Ablehnen von Jobangeboten "aus ethischen
Gründen" auf dem Arbeitsamt, immer noch sensationell komisch sind. Es
ist jetzt alles direkter, schmutziger. Die Lebenserklärungen der
Kameruner sind irgendwie auch etwas einfacher: "Öl, Scheiße und Lügen
schwimmen nur deshalb immer oben, weil sie coole Schwimmwesten haben:
Angst, Neid und Gier. Nenn es die unverbrüchlichen Gebote der Welt."
Und trugen die Kapitel damals noch Motti wie das Cioran-Wort: "Das
Leben! Kombination von Chemie und Bestürzung . . .", so sind die
jetzigen etwas schmuckloser so: "Wir machen keine Lieder für die
Ewigkeit. - Boney M.""
Volker Weidermann FAS September 2008
"Thor Kunkel schafft es, zwischen Gallus-Viertel und Hauptwache ein
völlig fremdes Universum zu inszenieren, das durch seine Überdrehtheit
nicht weniger realistisch ist als eine gnadenlos reduzierte Black
Community in einem Mosley-Roman. Liebevoll lokalkolorierte Detailtreue
(vom überholenden Mercedes aus Offenbach bis zum Autoinnenraumbeflocker
bei Opel) wechselt mit visionärer Disco-Space-Atmosphäre. Das alles ist
durch brillante Dialoge verbunden, die eine mir bisher unbekannte
Erzählqualität haben. Dennoch verliert sich Kuhls Kosmos nicht in den
Details, sondern behält eine zwar kaum bemerkbare aber gut tragende
Romanstruktur bei. Ich kann nicht anders als es im jock-Jargon auszudrücken: Kunkel rulez.
Den Feminismus muss frau allerdings ab der Titelseite für 333 Seiten an
der Garderobe abgeben, sonst kommt sie nicht am Türsteher vorbei."
Titel Magazin Sabina Schutter
Man könnte den Text tatsächlich so lesen. Dann läse man einen
teilweise sehr witzigen, teilweise auch gewollt mit den Klischees des
Pulp posierenden Roman. Man kann ihn aber auch anders lesen. Als den
Roman eines Jungen, der niemals aus "Kamerun" herauskommt, seine
Diskoplatten hört und sich in die Illusion einer anderen Welt, in seine
utopischen Bahamas hineindenkt. Das nennt man "längeres Gedankenspiel".
Dann wird "Kuhls Kosmos" wirklich zu Kuhls Kosmos, zu den
Tagträumereien eines qua Herkunft Gescheiterten, in einer Welt aus
Dreck, der sich im Diskorhythmus zu Gold verwandelt, aber die Welt hört
trotzdem nicht auf, aus Dreck zu bestehen.
Für mich ergibt diese Lesart mehr Sinn. Sie macht aus einer hübschen
chronologisch erzählten Geschichte eine beklemmend vertrackte, in der
sich die Wirklichkeit nicht einmal mehr in Gedanken überwinden lässt.
Ein lohnendes Buch mit vielen gelungenen Schnappschüssen allemal.
dpr - Watching the detectives
"Kuhls Kosmos" ist eine brillante Melange: selbstreflektiert, juvenil
und actionreich. Kurz: ein wunderbares Stück Literatur zwischen
Wahnsinn und "Pulp Fiction"-Kino.
Martin Spieß - Financial Times Deutschland
Zwar gibt es gewalthaltige Momente, doch die Auflösung seiner
Kriminalfälle interessiert Kunkel nur wenig. Er überlässt es dem Leser
zu entscheiden, ob er das Buch als schwarzhumorigen Blick auf
kriminelle Karrieren sehen möchte, oder als die Darstellung des
verzweifelten Versuchs einer Gruppe spätpubertärer Jugendlicher, einer
Zukunft ohne Hoffnung zu entkommen. Dabei stellt er keine Schuldigen
bloß, er beobachtet nur und haut uns das Gesehene entsprechend ruppig
um die Ohren. Kuhls Kosmos fordert seine Leser zum
Mitdenken auf, und dies auf äußerst unterhaltsame Weise. Ein deutscher
Krimi. Nicht regio, nicht sozio, nicht lamentierend – einfach nur hula
Jochen König - Krimi Couch
... Kuhls Kosmos ein ganz eigenständiges Buch
geworden. Eines mit Humor und grimmigem Ernst. Ganz entschieden gegen
jede Art von Zeitgeist verfasst - damaligen wie heutigen - und mit
seinem Hang zu gallig-polemischen Rundumschlägen wahrscheinlich wieder
nicht jedermanns Sache.
Dietmar Jacobsen, Text und Web
Um die Frage, ob Thor Kunkels Roman "Endstufe" über Pornofilme der SS
ein zynisches Machwerk oder eine erfrischend dreiste
Perspektiverweiterung sei, zankten sich 2004 die Feuilletonisten.
"Kuhls Kosmos" strebt nicht nach der ganz großen Aufregung. In manchmal
aufgesetzt rotzigem, aber oft auch vital gossenechtem Ton wird von ein
paar planlosen Möchtegernkriminellen in Frankfurt Ende der siebziger
Jahre erzählt. Dass die Discomusik den Jungs so wichtig ist, die
Beherrschung des Slangs, dass ihre Pläne solcher Murks sind, macht
klar, dass sie im Kopf immer noch Cowboy und Indianer spielen, auch
wenn die Waffen in ihren Händen echt sind. Es gibt in ihrem Auftrumpfen
mit Straßenrüdheit und Kneipenwolfgehabe sogar rührende Momente.
Thomas Klingenmaier, Stuttgarter Zeitung
Jetzt ist Herr Kuhlmann aus dem Debütroman zurück. Er wird keinen Skandal zeitigen, obwohl es in "Kuhls Kosmos"
nur so wimmelt vor Sex, Drogen, Trash und prekären Charakteren. Ein
nettes Stück Popliteratur ist es, nicht weniger, aber schon gar nicht
mehr. Trotz des offenkundigen Versuches, den Lesebürger ähnlich zu
verstören wie dies Charlotte Roche vermochte.
Hendrik Werner - Die Welt
Wer zur Todesgeisha geht, der kann schon einmal mit einer Kugel im Kopf
zurückkommen: In Thor Kunkels Roman „Kuhls Kosmos” erwischt es einen
Porno-Produzenten. Man tut diesem Roman kein Unrecht, wenn man ihn, trotz seiner
beiläufigen Blutrünstigkeit, als ein Werk der Nostalgie bezeichnet.
BURKHARD MÜLLER - Süddeuschte Zeitung
Und Kunkels Krimi ist viel mehr: die Verbindung
von Pop-Lifestyle, Punk-attitude und Gossenflair, der Autor ein
Amok-Autor im besten Sinne des Neo-Pulps..
drews - Bücher
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