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Rezensionen
"Hinterhalt": Düstere Trips
Wyatt ist cool, cooler, am coolsten. Der Name ein Peitschenhieb,
der Blick aus Eis, die Faust - besser, man macht keine Bekanntschaft
mit ihr. Und trotzdem will es Wyatt nicht gelingen, auf die
Gewinnerseite zu wechseln. Mal ist es der Rest guten Herzens,
der ihm im Weg steht, mal hat er einfach Pech. Kühl und
klug plant er seinen Coup, und dann kommt so ein gewissenloser
Privatdetektiv dazwischen und arbeitet auf eigene Rechnung
... Garry Disher hat mit bad man Wyatt eine faszinierend ambivalente
Figur geschaffen, die man wider Willen sympathisch findet.
Er ist ein Reisender auf der dunklen Seite des Lebens, und
immer, wenn er glaubt, bald im Ferrari zu sitzen, muss er
im schäbigen Pickup durch die Weite Australiens fliehen.
Das liest man gern, wenn man auf der Couch sitzt. sy
Hinterhalt, von Garry Disher, Maas-Verlag, Berlin, 244 Seiten,
11 Euro. Bewertung: atemberaubend
FRANKFURTER RUNDSCHAU Australien abgrundtief
Garry Disher: Hinterhalt. Maas Verlag 2002. 11 Euro
Abgrundtief, aussichtslos, apokalyptisch so ließe
sich die Stimmung beschreiben, die Garry Disher in seinen
Romanen produziert. Für "Drachenmann", einen
formal experimentellen und glänzend erzählten Polizeiroman,
bekam der Australier vor wenigen Wochen den Deutschen Krimi
Preis. Das Buch machte den Autor, nicht zuletzt dank erstaunlich
vieler Besprechungen, auch in Deutschland bekannt. Tatsächlich
ist "Drachenmann" im bisherigen Oeuvre des Autors
aber eher ein Nebenprodukt. Einen Namen machte Disher sich
in der Krimiszene vor allem mit seiner Serie von Gangsterromanen
um den Berufskriminellen Wyatt, deren dritter Teil "Hinterhalt"
soeben auf Deutsch erschienen ist.
Wyatt ist so etwas wie ein gelernter Verbrecher. Er überfällt
Banken und raubt Lohnkassen aus; arbeitet dabei, wann immer
möglich, allein - und versucht bei alledem, sich ein
Polster für ein nicht allzu ungemütliches Altenteil
anzulegen. Vor Mord und Totschlag schreckt Wyatt nicht zurück;
aber natürlich killt er als Mann von Ehre nur die, bei
denen es sich nicht vermeiden lässt, und die durch und
durch Bösen.
Das geht mal mehr, mal weniger gut; doch jetzt, zu Beginn
von "Hinterhalt", steht Wyatt vor dem Aus: Auf der
Flucht, in einem dreckigen, billigen Motel wacht der Gangster
eines Nachts davon auf, dass ihn seinerseits zwei Typen um
die Beute aus seinem letzten Coup erleichtern. Mit Müh
und Not kommt er mit dem Leben davon, aber das ist im Grunde
nicht mehr viel wert. Ein Gangstersyndikat ist hinter ihm
her, die Polizei hat nach einem Mord seine bürgerliche
Fassade enttarnt, sein ganzer Besitz wurde beschlagnahmt,
er kann niemandem mehr trauen und es fehlt selbst das Investitionskapital
für einen neuen Coup, der den Gangster aus der Bredouille
bringen könnte. Nur eine Chance bleibt Wyatt dann außer
dem Aufgeben noch, eine Chance, die der Berufsgangster verflucht,
denn sie ist mit immensen persönlichen, emotionalen Risiken
verbunden.
Wie Wyatt seine Chance dann doch zu nutzen sucht, wie es
unberechenbar auf und ab geht, wie er verzweifelt und doch
immer wieder volles Risiko wagt davon erzählt
dieser hervorragende Roman. Der deutsche Titel "Hinterhalt"
wird im Laufe des Geschehens dabei mehr und mehr auch zum
Programm: Hinter jeder Handlung, hinter jedem Gespräch,
hinter jeder Ecke könnten Tod und Gefängnis lauern.
Immer wieder muss Wyatt Handlung, Gespräch und Gang um
die Ecke doch riskieren, um sich aus seiner miserablen Lage
zu befreien. Das ist die eine Ebene dieses extrem harten Romans,
die klassische Geschichte des Mannes, der sich den eigenen
Haaren aus dem Sumpf ziehen muss. Auf der anderen Ebene zeichnet
Garry Disher das für ihn typische Gesellschaftsbild des
modernen Australien: Ausufernde Vorortsiedlungen, die entfesselte
Ökonomie und abgründige, ausschließlich auf
den eigenen Vorteil bedachte Protagonisten sorgen für
klaustrophobische Enge, wo man eigentlich paradiesische Weite
vermutet. Und die, die auf den ersten Blick so bürgerlich
wirken, sind oft die Ehrlosen, die eigentlichen Verbrecher.
Diese Konstellation ist für die Romane von Garry Disher
typisch. "Hinterhalt" unterscheidet sich von "Gier"
oder "Dreck" auf den ersten Blick höchstens
in der Formvollendung. Abgesehen von einigen Ungereimtheiten
in der Figurenzeichnung ist Dishers neuer Roman sprachlich
und formal ein im besten Sinne reifes, sattes, fertiges Werk.
Richtiggehend brillant ist allerdings die Art und Weise, wie
der Autor am Schluss einen Hoffnungsstreif am Horizont aufleuchten
lässt. Natürlich ist es die Liebe, die zuletzt über
allen gesellschaftlichen Irrsinn hinausweist. Aber es ist
in diesem Fall ein fast unglaubliche, nicht denkbare, im besten
Sinne hintergründige Liebe. Und diese Liebe ist nicht
nur nettes Beiwerk zum harten Gangsterroman, sondern ganz
zentral, auf der Ebene der Handlung, die alles entscheidende
Lösung. Das muss dem Australier erst mal jemand nachmachen.
Ulrich Noller, WDR 06.02.02
Die ersten drei Februartage, Freitag bis Sonntag,
noch an "meinem" Hansen rumgemacht, siehe KTB 14.-31.01.02.
Danach Montag und Dienstag Megastress im UFO, ich nämlich
erstmals seit drei Wochen wieder im Laden, und Kollege Pitt
krank, und daher ich alleine einem bestellwütigen Dutzend
Verlagsvertreter ausgeliefert, die unser UFO just an diesen
zwei Tagen heimsuchen. Am Dienstagabend schlag ich also drei
Kreuze, uff, und genieße am Mittwoch meinen freien Tag
- lege die Beine hoch, und lese Garry Dishers "Hinterhalt"
(neu als PB bei Maas), seinen dritten Australien-Gangsterroman
um den einzelgängerischen Profi-Räuber Wyatt.
Muss etwa noch erwähnt werden, dass Garry Disher - überraschend,
jedoch nicht unverdient - für seinen ersten Wyatt-Krimi
"Gier" (PB bei Maas) (siehe KTB 30.01.00) den DEUTSCHEN
KRIMIPREIS 2000 erhielt? Und dass Garry Disher mit seinem
zweiten Wyatt-Krimi "Dreck" (PB bei Maas) (siehe
KTB 15.-17.03.01) dieses Niveau sauber mindestens gehalten
hat? Und dass Garry Disher soeben für seinen hochkarätigen
Polizeikrimi "Der Drachenmann" (HC bei Unionsverlag)
(siehe KTB 06.10.01) den DEUTSCHEN KRIMIPREIS 2002 zugesprochen
bekam? - Ja, das musste wohl erwähnt werden.
Auch Garry Dishers dritter Wyatt-Krimi "Hinterhalt"
("Deathdeal", 1993; übersetzt von - tja, von
wem, lieber Maas Verlag? - aha, ganz klein steht's da im Kleingedruckten
wieder irgendwo: von Bettina Seifried) ist wieder etwas Feines,
wenn man Spaß hat an einem knochentrockenen, eher aktions-
als dialogstarken, insgesamt geradezu klassisch wirkenden
Gangsterkrimi und Noir-Roman.
Der seltsam gesichts- und gestalt- und vornamenlose Antiheld
Wyatt muss wieder mal von vorne anfangen. Alles geht dem hochprofessionellen
Geldräuber schief. Sein Farmversteck wird konfisziert
und versteigert, und außer der Polizei hetzen ihn auch
noch die Hunde der Melbourner Mafia und ein ebenfalls hochprofessioneller
Privatdetektiv. Der soll ihn allerdings bloß für
einen lukrativen Job aufspüren - ein Angebot, das Wyatt
leider nicht ablehnen kann, obwohl seine alte Hassliebe Anna
Reid dahintersteckt.
Ein brutaler Pilot, ein spielsüchtiger Bankfilialleiter
mit ätzender Familie, ein Drogenschmuggler- und -verteilerring,
wieder bereichert Garry Disher die Caper-Novel mit griffigen
Nebenfiguren. Und am Ende steht Wyatt wieder mit einem lachenden
und einem weinenden Auge da, wieder weiß er nicht, wie's
weitergehen soll. Für DIE ZEIT war zwar schon nach zwei
Romanen "klar, wohin die Gangsterballade führt:
Abwärts ..."; doch Garry Disher lässt uns hoffentlich
noch einige Bände lang mitfiebern und bangen mit diesem
tragischen Verbrecher, diesem fast edlen Räuber Wyatt.
Und der Maas Verlag lässt uns hoffentlich nicht wieder
länger warten: "Verrat", Teil vier der Wyatt-Saga,
soll im Herbst kommen.
Roberts Krimitagebuch Wiederbegegnung:
Garry Disher hat seinem Helden ein drittes Buch gewidmet.
Der Plot funktioniert, und wie seine Vorgänger bereitet
auch diese Geschichte mit ihrer virtuos gepflegten Lakonie
wahres Lesevergnügen: Wyatt ist ein Ganove, wiewohl er
in der Branche seineraustralischen Heimat als Gentleman gilt.
Er hat das Pech, bei seinen Coups ständig in Schwerwiegendes
verwickelt zu werden, dessen Urheber ihm dann ebenso gefährlich
auf den Pelz rücken wie natürlich auch die Polizei.
Diesmal kommt aber alles noch schlimmer, und das kann selbst
Wyatt nicht mehr nur mit Routine bewältigen.
Heinz Jakubowski, DAS MAGAZIN Wyatt muß
untertauchen, nachdem der letzte Job völlig in die Hosen
ging. Die Polizei fahndet nach ihm, und das Syndikat hat ein
Kopfgeld auf ihn angesetzt. Ein zwielichter Typ namens Enter
Stolle, der sich darauf spezialisiert hat, Leute zu suchen,
die nicht gefunden werden wollen, ist auch hinter Wyatt her,
um ihn für einen Klienten in Brisbane aufzuspüren.
Es geht um einen Bankjob, der zwei Millionen bringen kann
... ein Kinderspiel für Wyatt, normalerweise, wenn nicht
ein hochverschuldeten Bankdirektor, ein Waffen schmugelnder
Pilot, korrpute Bullen und ehrgeizige Punks dazwischenfunken
würden.
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