Rezensionen – Krumme Type, krumme Type

„Dieser Roman ist so mitreißend schön wie ein Frühlingsmorgen am Fluss und so giftig wie die Klapper- und Mokassinschlangen, die an dessen sumpfigen Ufern leben […]. Ein mitreißender Country Noir über einen Außenseiter und ein verschwundenes Mädchen“ -Ulrich Baron, Bücher Magazin

„Es geht um Wahrheit und ihren Wert. Um Rassismus und seine Präsenz. Um das Hinterland Mississippis, um ländliche Strukturen und dumme Menschen, um aufrichtige Menschen, um ehrliche Menschen, Menschen mit guten Absichten und Menschen mit schlechten Absichten.“ -wortgestalt.buchblog

Er zeigt die innere Tragik von Menschen, gleich welcher Hautfarbe, denen die Umwelt nicht die geringste Chance gibt. Das macht die Größe dieses Romans aus (auf den sich übrigens die baden-württembergischen Abiturienten vom nächsten Jahr an als Prüfungsstück freuen dürfen – und die dann vielleicht privat gleich auch noch den ungleich wüsteren Smonk lesen). -Hansjörg Wangner, StZ

Letztlich geht es um allgemeingültige Themen wie Freundschaft und Verrat, Schuld und Unschuld, Rassismus und die Vergangenheit, die einen immer wieder einholt. Das Faszinierende an Franklins Erzählkunst ist, dass seine Story zwar historisch wie psychologisch fundiert ist, der Professor aus Alabama die grossen Themen des Romans aber nie dozierend herausstreicht. Sie ergeben sich direkt aus der Handlung und der empathischen Nähe zu den Protagonisten. «Krumme Type, krumme Type» ist ein starker Noir-Krimi, aber weit über das Genre hinaus vor allem auch ein grossartiger Südstaatenroman. -Hanspeter Eggenberger, Tagesanzeiger

„All das packt Franklin in eine beeindruckende Geschichte mit Country-Flair. Beim Lesen ist es, als wäre man selbst an diesem Ort in Mississippi, streift mit den Jungs durch die Wälder, riecht das Abholzen der Bäume und fürchtet sich vor rauen Vätern, denen man nichts recht machen kann und die selbst ganz krumme Typen sind.“ -Schurken-Blog

„Wie eine finstere Wolke liegt das Schweigen über den Figuren von Franklins Roman. Darin nimmt es alle Schattierungen an, über die Zeiten hinweg: Schweigen aus Rücksichtnahme, aus Angst vor Blamage, aus Nichtwissen. Und vor allem das Schweigen, hinter dem sich die verstecken, die genau zu wissen glauben, was los ist. 1982 war die fünfzehnjährige Cindy Walker spurlos verschwunden, und Larry, der sie als Letzter gesehen hatte, gilt, obwohl man ihm nichts nachweisen konnte, als ihr Entführer und Mörder. Und 2007 ist wieder ein Mädchen entführt worden, und „Scary Larry“ wird es wieder gewesen sein. Bevor die Polizei den Verdacht erhärten kann, schießt ihm jemand ein Loch in die Brust. Während Larry im Koma liegt, sucht Silas, inzwischen Constable in Amos, Täterspuren und Spuren in der Vergangenheit. Erinnert sich an den kurzen Sommer, als die beiden Jungen beinahe Freunde wurden, wären nicht die alten Männer dazwischengegangen. Kämpft mit seinem eigenen Schweigen, seiner Schuld. Der Roman spielt 2007, schon lange gehen weiße und schwarze Kinder gemeinsam in die Schule, und doch liegen Armut und Hochmut, Verzweiflung und Hass wie eine dunkle Wolke über Mississippi. Tom Franklins Krumme Type, krumme Type ist große Literatur. Punkt.“ -Tobias Gohlis, Die Zeit

„Tom Franklins Krimi spielt in den USA, in einer Kleinstadt im Bundesstaat Mississippi. Ein Krimi, der mit einigen Vorschusslorbeeren bei uns in die Buchhandlungen kommt: Von der britischen Krimiautorenvereinigung wurde das Buch 2011 als bester englischsprachiger Krimi des Jahres ausgezeichnet. Jetzt ist er auf Deutsch erschienen.“ -Radio Bremen, gariele Intemann

„Ein überzeugendes und höchst gelungenes Buch, das einem die soziale Realität im Süden der USA auf eine Art und Weise – nüchtern, detailliert und voll menschlicher Anteilnahme – vor Augen führt, dass man ihr so recht eigentlich nur mit Sympathie begegnen kann. Und witzig ist „Krumme Type, Krumme Type“ auch immer mal wieder. „Ich war letztes Jahr wegen Gallensteinen hier, und sie haben mich mit einem alten Knacker zusammengelegt, der unentwegt gefurzt hat. Er war stocktaub und wusste gar nicht, wie laut seine Fürze waren.“   Fazit: Ein echt tolles Buch! -Hans Durrer, Buchkritik.at

„Krumme Type, Krumme Type“ erzählt bewegend von persönlichen Niederlagen, verpassten Gelegenheiten und uneingestandener Schuld. Es ist ein großartiger Roman über fehlenden Gemeinsinn und mangelnden Mut, über Einsamkeit und Rassismus, der bei Franklin die historische und politische Tiefenstruktur des Südens bildet, in der jedoch immer der einzelne Mensch agiert. Der Roman ist unendlich traurig, aber nicht noir. Wenn er seine LeserInnen nicht mit der Möglichkeit von Versöhnung entließe, wäre er eine kaum zu verkraftende Tragödie. Thekla Dannenberg, Perlentaucher

„Natürlich ploppen beim Lesen direkt Assoziationen auf. Charlotte. Chemnitz. Zu den gerade (noch) präsenten Ereignissen, bei denen die Vorverurteilung von Individuen durch eine Gruppe von Menschen im Zentrum steht. Doch Franklins Roman funktioniert abseits davon, weil er den Kern dieser Ereignisse auf eine persönliche Ebene herunterbricht. Er umgeht damit leichtverdienten, kurzweiligen Applaus ebenso wie die Gefahr, allzu oberlehrerhaft zu wirken. Klar, sein Roman kommt nicht ohne Zeigefinger aus, aber er richtet ihn auf die Leser – und auf sich selbst. Was Larry Ott widerfährt, könnte uns allen widerfahren, und jeder von uns sollte das im Hinterkopf behalten.“ -Alexander Roth, ZVW

„Tom Franklins „Krumme Type, krumme Type“, von Nikolaus Stingl genial übersetzt, ist ein trauriges, großes Buch. In den USA wurde der Roman mit wichtigen Preisen ausgezeichnet, in Baden-Württemberg gehört er im Fach Englisch zum Abiturstoff. Völlig zu Recht steht er auf Platz 1 der Krimibestenliste im September.“ -Deutschlandfunkkultur, Tobias Gohlis

„Chabot“, Mississippi. Alle nennen ihn „Scary Larry“. Hat er wieder, wie vor 25 Jahren, ein Mädchen umgebracht? Constable Silas, einst eine schwarze Baseballhoffnung, zweifelt. Einen Sommer lang waren die beiden Außenseiter Freunde. Schweigen, Angst, Rassismus – gelähmte Gesellschaft, tolles Buch. -FAZ Krimiweltbestenliste

„Mehr wollen wir gar nicht erzählen, denn – wie gesagt – wie Tom Franklin Wunden heilen kann und wenigstens ein Zipfelchen Gerechtigkeit in die Welt bringt, geht unter die Haut! Das braucht man angesichts der Wirklichkeit im Süden der USA von heute: Rassismus pur, denn die gesellschaftlich zurückgebliebenen Weißen brauchen Schwarze, auf die sie herabsehen können. Das ist die Mentalität des gegenwärtigen amerikanischen Präsidenten, auf die sich solche Leute auch noch berufen können. Ein Buch zur rechten Zeit. Aber die war schon vor 50 Jahren genauso und wird hoffentlich in 50 Jahren düstere Vergangenheit sein. Aber leider spricht dafür heute nichts.“ -Weltexpresso, Elisabeth Römer

Schreiben und nicht nur irgendwie Spannung erzeugen, das kann auch Tom Franklin, der Mann aus dem tiefen Süden, wo auch all seine Romane angesiedelt sind. „Krumme Type, krumme Type“ (Pulpmaster, 406 S., br., 15,80 [Euro]) spielt in Mississippi, der Titel verweist auf das gekrümmte, doppelte „s“ im Namen für Fluss und Bundesstaat. Es ist eine Redneckwelt, arm, hart, voller Loser. Auch der junge schwarze Constable Silas, den alle „32“ nach der Nummer auf seinem Baseballtrikot nennen, wohnt in einem Trailer. Er war auf dem College, aber ist wieder in das alte Kaff zurückgekehrt. Und er rutscht in etwas hinein, was ihn zurückführt in seine Vergangenheit. Franklin braucht keine Polizeiroutine oder komplizierte Plotwindungen. Da verschwindet ein Mädchen, da gibt es einen Verdächtigen, den kauzigen Larry, der schon fünfundzwanzig Jahre zuvor ein Mädchen umgebracht haben soll. Beweise gibt es nicht. Es gibt nur die Verbindung zu Silas, beide sind gemeinsam zur Schule gegangen, Freunde waren sie nicht, weil ein schwarzer und ein weißer Junge das in den achtziger Jahren im Süden nicht sein konnten. Während die Erzählung langsam, fast zögerlich voranschreitet, bewegt sie sich zugleich auch immer wieder zurück in die Vergangenheit. Schicht um Schicht wird etwas freigelegt, drängt an die Oberfläche, bis die beiden Männer es nicht mehr einfach wegdrängen können. Und so steuert dieser starke, düstere Roman unaufhaltsam auf ein Ende zu, von dem man nicht mehr sagen sollte, als dass es nicht ganz so ausfällt, wie man es erwartet hat. Was nur für Franklin spricht – und für den kleinen Berliner Verlag Pulpmaster, der seit vielen Jahren die Bücher herausbringt, die es zu lesen lohnt. -Peter Körte, FAZ

Diese Abwendung vom Whitewashing ist ein Trend, der sich aktuell auch in Tom Franklins „Krumme Type, krumme Type“ (Verlag Pulp Master) und „Grant Park“ (Polar-Verlag) von Leonard Pitts Jr. studieren lässt. Franklins Roman ist ein Country noir, in dem ein schwarzer Polizist mit dem Fall seines weißen Jugendfreundes konfrontiert wird, den alle Welt für einen Mädchenmörder hält. -Ulrich Baron, SZ

Weit hat er’s nicht gebracht, Silas Jones, bloß zum Dorfpolizisten in einem Kaff im tiefsten Mississippi. Aber es ist sein Heimatdorf, hier lauert eine ganze Menge Geschichte, und als wieder ein Mädchen verschwindet wie vor 25 Jahren, zeigt sich, dass ein anderer aus Mississippi, William Faulkner, vollkommen recht hatte, als er behauptete, die Vergangenheit sei nicht tot, ja nicht einmal vergangen. Vor langen Jahren, in der Schule nämlich, war Silas, der Schwarze, mal mit Larry Ott, dem Weißen, befreundet, aber aus Larry ist ein Freak geworden, und viele halten ihn für denMörder beider Mädchen. Dann aber wird er angeschossen, und das Vergangene zeigt seine schwärenden Wunden in Tom Franklins sensationellem Südstaaten-Noir „Krumme Type, krumme Type“, der wirkt wie die perfekte Illustration von Faulkners Satz. Franklin, der in Mississippi lebt, ist ein prachtvoller Erzähler, seine Sprache birst aus allen Nähten, und die Story ist prall gefüllt mit verwitterten Charakteren und schrägen Typen. Zu seinem 30-jährigen Jubiläum hat sich der kleine Berliner Pulpmaster-Verlag – die beste Adresse für hochwertige Noir-Ware – mit diesem brillanten Roman selber ein angemessenes Geburtstagsgeschenk gemacht. -Günter Grosser, Berliner Zeitung

„Der Blick, den Tom Franklin auf dieses Milieu wirft, ist weder voyeuristisch noch diffamierend. Mit seiner klaren, lakonischen Sprache macht er die Dinge nicht größer, als sie sind. Denn sie sind ohnehin schlimm genug, haben sie doch die Kraft, Menschen zu verbiegen, klein zu halten, normale Leben zu verhindern. Dem gewinnt Franklin eine kraftvolle Literatur ab.“
-Stefan Fischer, SZ

„Als Macht- und Wohlstandsgefälle stellt Franklin, sehr nuanciert, das Verhältnis weißer und schwarzer Bürger dar. Da nimmt man die armen, an der Straße frierenden Schwarzen mal im Auto mit, dann nimmt man sie nicht mehr mit. Da gibt man ihnen gönnerhaft eine alte Jacke und findet dann, sie können ja doch zu Fuß gehen. Auch der Polizist Silas Jones kennt im 21. Jahrhundert noch alle Spielarten von Diskriminierung. Tom Franklin legt seine Spannungskarten raffiniert spät auf den Tisch; gleichzeitig führt er so ausführlich, bildhaft und berührend in die Vergangenheit, dass man zwischendurch fast vergisst, dass es noch keine Krimi-Auflösung und fast keine Schilderungen der Ermittlungstätigkeit gab. Allemal – und auch aus aktuellem Anlass – muss einem aber auffallen, dass sich in Jahrzehnten in den USA bei weitem nicht genug verändert hat.“
-Sylvia Staude, FR

„Der Roman erzählt zart und zutiefst berührend von Einsamkeit, verratener Freundschaft und toxischen Familiengeheimnissen. Nicht zuletzt illustriert er William Faulkner berühmten Satz: Die Vergangenheit ist nicht tot, sie ist nicht einmal vergangen. Weiße und Scharze drücken in den Südstatten zwar schon lange die gleichen Bänke in der Schule oder Kirche, doch über ihnen schwebt weiter der geist der Sklavengesellschaft, der sich jederzeit in rassistischen Hochmut, Hasstiraden oder Gewalt entladen kann.“
-Eric Breitinger, Neues Deutschland

„Franklin porträtiert in prächtigen Metaphern eine Landschaft, die den Menschen letztlich nicht braucht, während Franklins Figuren allesamt Verlorene sind, die in und von der Natur leben, aber längst kein Teil von ihr mehr sind. Die Natur als eigentlicher Held der Geschichte, geduldig und abwartend, das hat eine wunderbare Lässigkeit: Rodet meine Wälder, erschießt meine Tiere, aber am Ende, wenn es euch nicht mehr gibt, hole ich mir zurück, was mir gehört.

-Marcus Müntefering, Literatur-Spiegel