{"id":800,"date":"2016-11-14T14:50:57","date_gmt":"2016-11-14T13:50:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pulpmaster.de\/wp\/?page_id=800"},"modified":"2016-11-25T15:29:01","modified_gmt":"2016-11-25T14:29:01","slug":"rezensionen-piss-in-den-wind","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.pulpmaster.de\/wp\/rezensionen-piss-in-den-wind\/","title":{"rendered":"Rezensionen &#8211; Piss in den Wind"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Demgegen\u00fcber pr\u00e4sentiert sich \u201ePiss in den Wind\u201c (im Original etwas weniger dick aufgetragen \u201eCaution to the Winds\u201c) als reinbl\u00fctiger Roman. Er hebt an: \u201eMeine Geschichte ist eine Geschichte des Wahnsinns\u201c. Dass der Wahnsinnige selbst sie erz\u00e4hlen darf, scheinbar schl\u00fcssig, doch als h\u00f6chst unzuverl\u00e4ssiger Gew\u00e4hrsmann \u2013 das hat seit den Tagen Edgar Allan Poes immer seinen zwielichtigen Reiz. Auch Giovinazzo macht ihn sich gekonnt zunutze. James Gianelli, Dozent f\u00fcr Fotografie an einem zweitklassigen College, findet nach einer Auseinandersetzung seine Freundin Karen, die ihn verlassen wollte, erw\u00fcrgt am Boden und kann nicht umhin, sich selbst f\u00fcr den T\u00e4ter zu halten. Er entsorgt die Tote am nahen Strand und entdeckt kurz darauf eine andere angesp\u00fclte Frauenleiche. Er fotografiert sie, h\u00e4ngt die Fotos daheim auf, und allm\u00e4hlich wird sie ihm eine geisterhafte Gef\u00e4hrtin, erst \u00fcberaus f\u00fcgsam, aber nach und nach immer aufs\u00e4ssiger. Er macht ihre j\u00fcngere Schwester ausfindig, f\u00e4ngt mit ihr eine Aff\u00e4re an, sie kommt allm\u00e4hlich seinem L\u00fcgengespinst auf die Spur.<br \/>\nGut ausgehen kann das, vermutet der Leser, der mit dem denkbar unsympathischen Helden dennoch mitfiebert, keinesfalls.<br \/>\n<cite>-Burkhardt M\u00fcller, SZ<\/cite><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Gro\u00dfartige Szenen gelingen Giovinazzo beim Zusammentreffen James mit seiner Mutter am Krankenbett des Vaters. Keine wehleidige Bestandsaufnahme wechselhafter Emotionssch\u00fcbe, keine Vers\u00f6hnung am Totenbett, stattdessen ein wankelm\u00fctiges Jonglieren zwischen dem Status Quo des Schweigens und dem, was eigentlich gesagt werden m\u00fcsste. Provoziert durch den Schatten der toten Dominique, die James begleitet wie das personifizierte schlechte Gewissen.<br \/>\nDas k\u00f6nnte in die Hose gehen, den Geist jener unz\u00e4hligen Werbespots hervorrufen, der verk\u00fcndet, dass man anscheinend nicht das richtige Waschmittel genommen hat. Doch Giovinazzo beherrscht sein Handwerk. Und so bleiben seine Figuren glaubw\u00fcrdig, mit all ihren Schw\u00e4chen und Obsessionen. Und am Ende, wenn sich ein Gro\u00dfteil aufkl\u00e4rt, gibt es sogar so etwas wie Hoffnung. Die allerdings eine tr\u00fcgerische sein k\u00f6nnte\u2026<br \/>\nEs hat sich so ergeben, dass die Neuauflage von \u201eCracktown\u201c und Giovinazzos aktueller Roman \u201ePiss in den Wind\u201c gleichzeitig hierzulande erscheinen. Hochinteressant beide Romane im Gespann zu lesen. Dazwischen liegen fast 20 Jahre, diverse Tatorte und andere Filme, sowie weitere Romane. Eins ist geblieben: Die Welt als dunkler, gewaltt\u00e4tiger Ort, an dem Menschen auf der Suche nach Zugeh\u00f6rigkeit und Liebe verzweifeln. W\u00e4hrend \u201eCracktown\u201c im Blitzgewitter zwischen Drogen, Prostitution, Armut und allt\u00e4glicher Gewalt implodiert, schaffen sich die Protagonisten in \u201ePiss in den Wind\u201c ihre H\u00f6lle selbst. Schreie und Fl\u00fcstern. Aber nie miteinander reden. Die einen sind dazu nicht (mehr) in der Lage, die anderen zu feige. Bis zum Schluss\u2026<br \/>\n<cite>-Jochen \u00a0K\u00f6nig, Watching the \u00a0Detectives<\/cite><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Giovinazzo verzichtet von Anfang an darauf, mit harten Kontrasten zu arbeiten, mit einer theatralischen Konfrontation von &#8222;krank&#8220; und &#8222;gesund&#8220;. Im Gegenteil. Aus der wirklichen und der Wahnwelt wird eine dritte, eine Welt aus Wirklichkeit und Wahn eben, die so normal ist wie das Allt\u00e4gliche \u2013 und genauso irrwitzig. Durch diese neue Welt ziehen sich die Erz\u00e4hlstr\u00e4nge, die Lebenslinien: Gianellis Jugendtrauma, seine prek\u00e4re berufliche Existenz, seine verzweifelten Bem\u00fchungen, &#8222;normal&#8220; zu sein. Das ist, wie Giovinazzo es aufbaut, eine erstaunliche unspektakul\u00e4re Geschichte, bei aller Abstrusit\u00e4t, bei aller psychopathologischen Relevanz. Hinzu kommt, dass wir uns stets auf dem Boden des Genres befinden, eine Geschichte voller Verdacht und Vorahnungen lesen, die latente \u00dcberraschungen in sich tr\u00e4gt und am Ende auch hier einl\u00f6st, was sie verspricht. Wieder ein Gegensatzpaar, wieder Fallh\u00f6he. Die exakte Rekonstruktion von Normalit\u00e4t (mit der normalen Prise Wahn) bedient sich herk\u00f6mmlicher Genremittel und erh\u00e4lt dadurch ihre Originalit\u00e4t.<br \/>\nDas alles macht &#8222;Piss in den Wind&#8220; zu einem Kleinod zeitgen\u00f6ssischer Kriminalliteratur. Zu einem &#8222;Noir&#8220;, der dezidiert keiner ist \u2013 es sei denn, das Normale w\u00e4re per se Noir \u2013 und deshalb mit Fug und Recht als ein Noir der intelligenten Sorte ger\u00fchmt werden kann. Die Begegnung mit der Schwester des Toten f\u00fchrt Gianelli langsam aus seiner verqueren Welt hinaus, hinein in das normale Verr\u00fccktsein, die mit Brief und Siegel attestierte Geisteskrankheit. Ein Happyend? Oder der Auftakt eines neuen Traumas? Wieder mischen sich die Extreme.<br \/>\n<cite>-dpr, Watching the detectives<\/cite><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Nach langer Wartezeit ist nun endlich der neue Roman von Buddy Giovinazzo bei pulpmaster erschienen. Wie so oft bei ihm zuerst in deutscher \u00dcbersetzung, denn auch bei diesem Roman hat bisher kein amerikanischer Verlag zugegriffen. Selbst schuld&#8230; Waren die bisherigen vier B\u00fccher des New Yorker Filmemachers (Cracktown, Poesie der H\u00f6lle, Broken Street, und Potsdamer Platz) in den Rubriken Hardcore\/Blut\/Abgr\u00fcnde\/Drogenh\u00f6lle angesiedelt, so ist \u201ePiss in den Wind\u201c ein eher weich anmutendes Drama aus der dunklen Ecke des Noir-Genres. Schlagworte zur Einordnung: Eine Autorenmixtur aus Jason Starr, Jim Thompson und David Goodis ist zu sp\u00fcren, dies aber ohne jegliche Kopierfunktion.<br \/>\nJames Gianelli, ein eher bieder wirkender Dozent f\u00fcr Photographie wird von seiner Freundin Karen verlassen, die aus der gemeinsamen Wohnung auszieht. Am gleichen Abend wird James durch einen psychotischen Anfall bewusstlos. Als er am n\u00e4chsten Morgen erwacht, liegt Karen erw\u00fcrgt neben ihm. Panisch entsorgt er Karens Leiche im Ozean, \u00fcberzeugt davon ihr M\u00f6rder zu sein. Dem besorgten Bekanntenkreis gegen\u00fcber behauptet er, Karen letztmalig bei ihrer Abfahrt gesehen zu haben. James kann anscheinend damit leben, seine Exfreundin get\u00f6tet zu haben. Nur alleine kann er nicht sein.<br \/>\nSo sucht er sich schnell eine neue Gef\u00e4hrtin. Doch Dominique ist nur f\u00fcr James sichtbar. Mit ihr spricht er \u00fcber sein bisheriges Leben, seine Beziehungen und \u00fcber den fr\u00fchen Tod seines Bruders. Immer mehr erf\u00e4hrt man so \u00fcber die Vergangenheit von James Gianelli bis hin zum gewaltsamen Tod von Karen.<br \/>\nAls James von seinem Arbeitgeber entlassen wird und Karens Bekanntenkreis seiner Version von ihrer Abreise keinen Glauben mehr schenkt, n\u00e4hert sich das Drama seinem Finale.<br \/>\nDas Wechselspiel von Realit\u00e4t und Einbildung sowie die ewig aktuelle Frage um Schuld und S\u00fchne machen \u201ePiss in den Wind\u201c zu etwas Besonderem in diesem Genre. Selten war dieses Thema so fokussiert an eine Person bzw. deren Dialog mit einer nur f\u00fcr ihn sichtbaren Frau gebunden.<br \/>\nGro\u00dfes Lesekino&#8230;<br \/>\n<cite>-Christian Koch, Hammett<\/cite><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Eher emotionales als soziales Elend dominiert in Giovinazzos neuem Roman \u201ePiss in den Wind\u201c, der zeitgleich mit \u201eCracktown\u201c erscheint. Fotografiedozent James Gianelli leidet unter Verlassens\u00e4ngsten. Deshalb reagiert er hysterisch, als seine ehemalige Freundin Karen nach eineinhalb Jahren Nebeneinanderherlebens auszieht. Dann liegt da pl\u00f6tzlich ihre Leiche. Und der Psychotiker James kann sich an nichts erinnern. Hat er Karen erw\u00fcrgt? Alles spricht daf\u00fcr, und so l\u00e4sst er die Leiche samt Auto im Meer verschwinden. Wider Erwarten taucht zun\u00e4chst kein Polizist bei ihm auf. Aber James hat schon bald eine neue Freundin, Dominique. Doch die ist schon tot. Er selbst hat die \u00fcbel zugerichtete Leiche der Gelegenheitsprostiuierten fotografiert, als sie aus dem Wasser gezogen wurde. Nun muss er sich auf ein Leben einrichten, in dem Vergangenheit und Gegenwart, Illusion und Realit\u00e4t eine unheilvolle Allianz eingehen.<br \/>\n\u201ePiss in den Wind\u201c ist ein Musterbeispiel f\u00fcr einen ebenso respektvollen wie ironischen Umgang mit der \u00e4sthetischen Tradition des Noir. Und das zeigt sich auch im Detail. \u201eWir gingen nach unten und sahen fern \u2013 in Farbe!\u201c, hei\u00dft es an einer Stelle. Ein sehr merkw\u00fcrdiges Ausrufezeichen in einem Roman, der in unserer Gegenwart zu spielen vorgibt. Aber wahrscheinlich lief gerade Hitchcocks \u201eVertigo\u201c.<br \/>\n<cite>-Joachim Feldmann, Culturmag<\/cite><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>\u201ePiss in den Wind\u201c ist ein Noir, der wohlige Erinnerungen an die klassischen Noirs, die Werke von James M. Cain, Cornell Woolrich, David Goodis und auch Jim Thompson weckt. Vor ihnen muss Buddy Giovinazzo sich wahrlich nicht verstecken. Auch wenn sein Ende nicht gar so d\u00fcster ausf\u00e4llt.<br \/>\n<cite>Axel Bussmer, Kriminalakte<\/cite><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Buddy Giovinazzos &#8222;Piss in den Wind&#8220; ist nicht nur der Krimi mit dem besten Titel des Jahres, sondern auch sonst ein bisschen irre Herzlichen Gl\u00fcckwunsch, der war gut! Es kommt selten vor, dass man ein Buch nur deswegen aufschl\u00e4gt, weil der Titel so unwiderstehlich ist. Doch wer auch immer die Eingebung hatte, aus dem englischen Originaltitel von Buddy Giovinazzos &#8222;Caution to the Winds&#8220; ein hingerotztes &#8222;Piss in den Wind&#8220; zu machen, hat am Autor wohlgetan. Inwieweit der Titel zum Inhalt passt, k\u00f6nnte man, wenn man wollte, diskutieren, man kann es aber ebenso gut sein lassen. Was w\u00fcrde wohl besser zu einem Buch mit einer psychisch kranken Hauptfigur passen als ein etwas irrer Titel? &#8230;<br \/>\nMit leichter Hand (und die deutsche \u00dcbersetzung macht das m\u00fchelos mit) erz\u00e4hlt Giovinazzo diese Geschichte auf mehreren Ebenen, l\u00e4sst James&#8216; fortgeschrittene Psychose sich munter fortentwickeln, w\u00e4hrend er allm\u00e4hlich deren Urspr\u00fcnge aufdr\u00f6selt und ganz nebenbei auch noch den \u00fcberraschenden Hintergrund von Karens gewaltsamem Tod aufdeckt. Und die ganze Zeit kann man sich partout nicht entscheiden, ob man nun eigentlich Empathie mit dem Protagonisten empfinden soll und darf oder eher nicht. Denn ist er nicht immerhin, sehr wahrscheinlich, so eine Art irrer M\u00f6rder? Ein echtes Lekt\u00fcredilemma. Aber auch das tr\u00e4gt dazu bei, dass sich dieses schr\u00e4ge kleine Buch, so l\u00e4ssig erz\u00e4hlt es auch daherkommt, als echter Pageturner entpuppt.<br \/>\n<cite>-Katharina Granzin, TAZ<\/cite><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Um \u201cPiss in den Wind\u201d zu lesen, muss man nicht bis zu den Sommerferien warten, es ist genau die richtige Lekt\u00fcre, um diesen ekligen, abgebrochenen Winter zu verarbeiten und sich in die entstehenden Fr\u00fchlingsgef\u00fchle hineinzulesen. Auch wenn Gianellis Gef\u00fchle einer Toten gelten, das sollte f\u00fcr Freunde und Freundinnen von Krimialliteratur kein Problem sein. Buddy Giovinazzo, der jetzt auch wieder Filme in den Staaten dreht und gerade nach dem Abschluss eines Horrofilms wieder nach Berlin zur\u00fcckkehrt, sagt auf die Frage, was dieses Buch f\u00fcr ihn bedeute: \u201cDie Geschichte in diesem Buch habe ich jahrelang in meinem Kopf mit mir herumgetragen. Es ist wie bei Frankenstein; ein Mann erschafft etwas, von dem er glaubt es sei die perfekte Frau, nur um festzustellen, dass er einen Alptraum geschaffen hat, aus dem zu fliehen ihm unm\u00f6glich ist. Ich war komplett allein als ich das geschrieben habe. Deshalb ist die Einsamkeit so schmerzhaft f\u00fcr den Protagonisten. Wir alle waren schon in Beziehungen, die uns nicht gut getan haben, aber die Angst vor der Einsamkeit h\u00e4lt uns zuweilen in diesen Beziehungen gefangen. Genau das ist mir damals auch passiert.\u201d<br \/>\n<cite>-Ulf Schleth, Junge Welt<\/cite><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Giovinazzo macht es dem Leser nicht einfach. Sein Protagonist l\u00e4dt so gar nicht ein, ihn gern zu haben. Immerhin macht er reihenweise mit Studentinnen rum und ist sehr wahrscheinlich ein geisteskranker M\u00f6rder, der noch dazu mit toten \u00a0Prostituierten spricht. Doch der Roman ist auch sehr spannend und sehr erfrischend. Vieles ist nicht vohersehbar und sehr vielschichtig aufgebaut.Auch sehr philosophisch, geht es doch oft um Schuld.<br \/>\n<cite>-Lena Duvendack, Stadtblatt Osnabr\u00fcck<\/cite><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Buddy Giovinazzo, der nicht nur Schriftsteller, sondern auch Filmemacher ist und unter anderem mehrere Tatort-Folgen gedreht hat, verwischt in seinem Roman die Grenzen \u00a0zwischen Traum und Realit\u00e4t. Oder ist nur die Realit\u00e4t traumatisch?<br \/>\n<cite>-kulturnews, mit citymag<\/cite><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>In Piss in dem Wind kommen Giovinazzo auch St\u00e4rken zu Gute, die er seinem filmischen Schaffen verdankt: In erster Linie zeichnet er eine starke Hauptfigur. Von Gianelli will man wissen wie er tickt &#8230;Giovinazzos neuester Roman erz\u00e4hlt von \u00a0Abh\u00e4ngingkeiten, von Zw\u00e4ngen und von \u00dcberlebensstrategien einiger einsamer Seelen da drau\u00dfen.<br \/>\n<cite>-Jens Uthof, Zitty<\/cite><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Demgegen\u00fcber pr\u00e4sentiert sich \u201ePiss in den Wind\u201c (im Original etwas weniger dick aufgetragen \u201eCaution to the Winds\u201c) als reinbl\u00fctiger Roman. 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